MEIN WEG IN DIE PFERDEFÜTTERUNG

Bereits in meiner Ausbildung zur Pferdewirtin Zucht und Haltung wurde für mich der Grundstein für dieses wichtige und umfangreiche Thema gelegt.

Ich hatte damals an der Berufsschule in Köln, das Glück, einen großartigen Lehrer zu haben, der noch vom ganz alten Schlag war und wusste, wie die alten Stallmeister Pferde einst fütterten. Er machte mich zu ersten Mal richtig neugierig für dieses Thema und lehrte mich die Liebe zum Detail. 

Bis dahin kannte ich es nur, dass zwei, drei Mal am Tag der Futterwagen durch den Stall geschoben wurde und neben etwas Heu, gab es dann für jedes Pferd entweder eine Schaufel Müsli, Pellets oder Hafer. Bis dahin war mir persönlich nicht bewusst, zu hinterfragen, was denn da nun genau drin war in den sogenannten Pellets oder auch im Müsli. War ein Pferd zu dünn bekam es schon mal eine Schaufel extra, aber mehr Gedanken wurde sich da eigentlich nicht gemacht. 

Doch durch den Unterricht meines Lehrers wurde schon damals etwas in mir geweckt. Er öffnete mir die Augen für die Komplexität dieses Themenbereiches und eben für die Probleme, die mancher Trend der modernen Pferdefütterung mit sich bringt.

Ich begriff, dass das Wort Müsli vielleicht gesünder klingt, als es tatsächlich für das Pferd war und dass der Name Pellets erstmal nichts anderes aussagt, als das verschiedene Futtermittel in eine bestimmte Form gepresst wurden. 

Ich lernte damals noch per Hand Futtermittelrationen auszurechen und so lange mit den einzelnen Werten hin und her zu jonglieren, bis alle Verhältnisse wirklich zum jeweiligen Pferd passten. Was bin ich da heute der Moderne dankbar, dass ich diese Berechnungen inzwischen ziemlich easy am Computer machen kann. 

Ich lernte, dass Fütterung gut durchdacht und dennoch ganz einfach sein kann und auch nicht viel Geld kosten muss.

Ich lernte, die Pferde zu beobachten und zu lesen und anhand so vieler Merkmale, die äußerlich sichtbar sind, einzuschätzen, wie es dem Pferd gesundheitlich und fütterungstechnisch geht, ob Mängel vorliegen, oder ob alles im grünen Bereich war. 

Damals war mir das noch nicht bewusst, aber heute weiß ich, dass mir dieser Lehrer einen sehr wertvollen Schatz an die Hand gegeben hat. Denn noch heute klingen mir seine Worte im Ohr, wenn ich wieder an dem einen oder anderen Fall sitze und tüftle. 

Später, als ich dann schon mein eigenes Rehazentrum für Pferde führte, bekam mein umfangreiches Wissen immer mehr Tiefe. In diesem Rehazentrum waren wir auf Pferde mit Lahmheiten spezialisiert, die tiermedizinisch bereits als unheilbar eingestuft wurden. 

Ich arbeitete damals mit einem Team aus Tierärzten aus den Niederlanden und Belgien zusammen. Diese waren absolute Asse im Bereich Lahmheitsdiagnostik. Allerdings nicht mit hochmoderner Technik, sondern auch sie waren vom alten Schlag, wussten noch, wie man ein Pferd richtig beugt und eben in der Bewegung beurteilt. 

Diese Männer hatten zum Teil viel Erfahrung mit Rennpferden und konnte aus dem Augenwinkel sehen, wenn zum Beispiel einer der Traber nicht richtig rund lief. Und das faszinierende für mich war, dass sie auch immer direkt wussten, wo die Ursache zu suchen war! 

Neben der Lahmheitsdiagnostik, begann hier für mich ein weiterer Grundpfeiler zu entstehen, nämlich der Blick auf Hufbearbeitung und Beschlag. 

Außerdem vertiefte ich mein Wissen in der Pferdfütterung stetig. Denn von diesen Tierärzten lernte ich noch so manches Detail, über die Beurteilung des Pferdes über bestehende Mängel und die Zusammenhänge zur vorliegenden Diagnose. Dieses Wissen ist heute kaum oder gar nicht mehr in Büchern zu finden und umso dankbarer bin ich heute für diese teils auch harte Schule. 

Mit jedem spannenden Fall, den wir anvertraut bekamen, vertiefte ich mein Selbststudium. Hatte sich bis dahin über die Zeit die Idee in mir verankert, dass es immer eine Lösung zu finden gibt. Und so trieb mich so mancher schwierige Fall, so lange nach Antworten zu suchen, bis ich sie gefunden hatte. 

Wir hatten in diesem Rehazentrum damals eine Erfolgsquote von über 90%, was beachtlich ist, vor allem in Hinblick darauf, dass die meisten dieser Pferde hoffnungslose Fälle waren. 

Möglich war das letztendlich nur, weil ich bereits damals schon verstanden hatte, dass alle Faktoren miteinander zusammenhängen. 
So verband ich die verschiedenen Therapieverfahren der Tiermedizin, Osteopathie und anderen mit guter Pferdefütterung, moderner Bewegungslehre, gutem Hufbeschlag und guten Haltungsbedingungen. 

In den letzten Jahren habe ich mein Wissen rund um die Pferdefütterung noch mal aufgefrischt und erweitert und besuchte die Intensivseminare bei Simone Mayer vom Semhof. Ich schätze Simone sehr! Nicht nur als Expertin für Pferdefütterung, sondern besonders auch als Landwirtin! 

Von ihr habe ich gelernt, wie eigentlich eine gute Wiese zur Futtergewinnung bzw. eine Pferdweide aussehen sollte. Wie es eigentlich um den Zustand unserer Böden bestellt ist und wie viel Nährstoffe überhaupt noch in Böden und somit in den Pflanzen zu finden sind. Und vor allem, wie Landwirtschaft aussehen kann, damit wir wieder gesunde Böden mit hoher Nährstoffdichte haben und somit gesunde Nahrung mit wirklichem Nährwert produzieren können. Das geht uns alle etwas an und nicht nur die Pferde. 

Zuletzt hat mich dann auch noch die Neugier gepackt und ich habe an einen umfangreichen Workshop zum Thema Blutbildanalyse bei Sonja Witschel von „Mineralien in Balance“ teilgenommen. 

Für mich ist es absolut spannend, zu sehen, wieviel von dem, was ich bereits äußerlich am Pferd erkennen kann, durch ein Blutbild bestätigt wird. Und für die wirklich schweren Fälle ist es ein Segen, dass wir diese Art der Diagnostik zur Verfügung haben um eben tiefer verstehen und helfen können.

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